Selbstverteidigung

Von Timo Schoch, Ipf und Jagst - Zeitung, Donnerstag, 5. Januar 2006

"Schlag doch zurück ist heute keine Lösung mehr"

Zwei Jungs streiten sich spielerisch.

Ellwangen - Unsichere Kinder werden öfter Opfer von Gewalt. Daher bietet der Taekwondo Freizeitsportclub Ellwangen das "Do Projekt"an. Dort lernen die Kinder, wie sie selbstbewusster auftreten und sich verbal als auch no-verbal verteidigen.

Auch die Eltern werden bei Seminaren mit einbezogen.

Eltern wollen immer das "Beste" für ihre Kinder. Doch nicht immer liegen sie mit ihren Ratschlägen richtig. "Früher hieß es noch: Papa der hat mich geschlagen", erzählt Fotini Papadopulu, erste Vorsitzende und Cheftrainerrin des Taekwondo Freizeitsportclubs Ellwangen. Als Antwort bekam das Kind: "Schlag doch zurück!" Heutzutage sei das keine Lösung mehr. "Das ist Geschichte. Heute gibt es andere Möglichkeiten". Wie diese aussehen, lernen die Kinder beim Projekt "Do" und die Eltern bei so genannten Elternseminaren.

Soziale Kompetenz steigern

Zwei Kinder Raufen unter Anleitung.

Das "Do" Projekt ist Bestandteil der wöchendlichen Taekwondo Übungseinheit der Kinder. Nach dem Regulären Training gibt es etwa 15 Minuten lang noch eine spezielle Schulung für die Schüler. "Das Ziel ist, die soziale Kompentez zu steigern. Die Kinder sollen lernen, bestimmte Situationen zu bewältigen. So werden sie selbstbewusster", sagt Papadopulu.

Aus eigener Erfahrung kann dies Betina Georgi bestätigen: "Mein Sohn hat sich bedroht gefühlt von größeren Kindern. Dann bin ich mit ihn zu einem Schnuppertraining in den Taekwondo Freizeitsportclub gegangen.Seither ist er viel selbstbewusster geworden und es gibt keine Probleme mehr." Der friedliche und respektvolle Umgang wurde so gefördert.

Mit Rollenspielen lernen die Schüler bestimmte Situationen kennen. Sie erfahren, wie sie sich in einer solchen Situation verhalten sollen, und wann es nicht mehr ausreicht, sich verbal zu verteidigen. So üben die Kinder mit der Cheftrainerin beispielsweise, die Körpersprache bewusster einzusetzen, sie arbeiten mit ihrer Stimme, außerdem lernen sie ihre Mimik und Gestik richtig verwenden. Und sie werden für sexuelle Übergriffe sensibilisiert. Konflikte lassen sich so leichter lösen, klären und verstehen. "Da Kindern oft die Worte fehlen, schlagen sie zu. Sie lernen in diesem Projekt auch, wie sie sich mit Worten verteidigen können", weiß Papadopulu.

Entspannte Atmosphäre

Eltern in einer Diskussionsrunde.

Für diese Wertevermittlung sind die Eltern ein wichtiger Bestandteil. Sie sollen die Kinder bei dem Gelernten unterstützen. Deshalb gibt es Elternseminare mit der Diplom-Sozialpädagogin (FH) Barbara Sittler.

"Die Seminare sind fast wie Elternabende, in entspannter Atmosphäre", erzählt Kursteilnehmerin Sibille Bilek. Es werden bei diesen Abenden, die etwa eineinhalb Stunden dauern, verschiedene Themen angesprochen: Beispielsweise Sexualität, Pubertät, oder Erziehen statt Straßen. "Die Kinder sollen lernen, auch mal 'nein' zu sagen", erklärt Barbara Sittler.

So sollten die Eltern bei Streitfällen zu den Kindern nich sagen "Schlag doch zurück", weiß Papadopulu. Sondern: Nachfragen, was passiert ist, und erst wenn kriminelle Energie, wie Waffengewalt, dahinter steckt, selbst eingreifen. Sonst nur helfen, wie die Kinder selbst die Konflikte lösen können", gibt die erste Vorsitzende einen persönlichen Tipp. Daher sei es wichtig, dass die Eltern geschult werden und keine falschen Ratschläge geben.