Von Marcus Bölz, Schwäbische Post vom 19.09.2000
ELLWANGEN - Gewalt spielt im Alltag von Jugendlichen eine immer größer werdende Rolle. Der Umgang mit Gewalt wird von Fotini Papadopulu in Rollenspielen und körperlichen Übungen thematisiert. Die Jugendlichen lernen in Kursen, nicht nur auf Gewalteinwirkungen körperlich zu reagieren, sondern auch durch ihr Auftreten Gewaltsituationen zu entschärfen.
Erschreckt blickt der schüchterne Junge auf den Boden des Pausenhofes. Dass manche Mütter Baskenmützen schick finden ist das eine, dass seine Schulkameraden seine Baskenmütze durch die Gegend schleudern, ist das andere. Runterschlucken, Mund abputzen und weitermachen hilft nicht.
„Souveränität und Selbstbewusstsein sind die Schlüssel für verschüchterte Mitschüler, die der Gewalt ihrer Klassenkameraden so nichts entgegensetzen können.“ Fotini Papadopulu kennt die Probleme eingeschüchterter Schüler sehr gut. Seit Jahren arbeitet die 34-jährige in gewaltpräventiven Seminaren mit den Ellwanger Schulen zusammen. „Wichtig ist die Integration von auffälligen Kindern in gruppendynamische Prozesse, also der Kinobesuch mit dem Klassenkamerad, die Einladung zum Geburtstagsfest, das Miteinander spielen auf dem Bolzplatz.“ So lernen Kinder und Jugendliche auf andere zuzugehen, sich in die Situation anderer einfühlen und eindenken zu können. „Das ist ein sehr ichtiger Lernschritt um Gewalt unter Jugendlichen gar nicht erst entstehen zu lassen.“ Ein Menschen, den man kennt und versteht, wird bedeutend seltener Opfer von verbaler oder körperlicher Gewalt.
Mit ihrer gewaltpräventiven Arbeit wurde Fotini Papadopulu bereits von der Theodor-Heuss Stiftung als bundesweit herausragendes Beispiel für Engagement gegen Jugendgewalt ausgezeichnet. Bereits seit Jahren geht Papadopulu in die Schulen und gibt Seminare. Doch damit nicht genug. Seit 20 Jahren betreibt die engagierte Gerechtigkeitsfanatikerin, wie sie sich selbst bezeichnet, Teakwon-Do. Die asiatische Kampfkunstform war für sie sehr persönlichkeitsbildend.
„Die fünf Grundregeln des Teakwon-Do sind Höflichkeit, Bescheidenheit, Respekt, Disziplin und Beharrlichkeit. Diese Tugenden sind für mich auch entscheidende Tugenden des gesellschaftlichen und persönlichen Alltags.“
Diese Grundregeln sind die Basiswerte der Gewaltpräventionskurse, die sie beim Freizeit Sport Club Ellwangen anbietet. In Kursen für Kinder ab vier Jahren werden neben den Rollenspielen auch Techniken des Teakwon-Dos gelehrt. „Im Verein besteht die Möglichkeit intensiver auf Gewaltsituationen einzugehen und Reaktionsmodelle einzuüben“, sagt Papadopulu.
Kindern fehlt oft die nötige Souveränität, wenn sie von Fremden angesprochen werden. „Im Elternhaus werden Kinder dazu getrimmt, mit Fremden nicht zu sprechen. Wenn sie dann doch angesprochen werden, wissen sie nicht, wie sie reagieren sollen“, erklärt Fotini Papadopulu. Sie möchte den Kindern die Ängste vor dem Gespräch mit Fremden nehmen und somit das Selbstbewusstsein stärken. So können Kinder einfacher einschätzen, ob der Fremde böse Absichten hegt und ihr Verhalten dementsprechend auf die Situation einstellen.
Die Kinder werden natürlich auch in Techniken der körperlichen Selbstverteidigung gelehrt. „Teakwon-Do ist keine hohle Kampftechnik, sondern eine hohe Bewegungskunst.“ Das Kennenlernen des eigenen Körpers und seiner Fähigkeiten bedarf Zeit und Disziplin. Fotini Papadopulus betreibt seit zwanzig Jahren die asiatische Kampfkunst.
„Wer Teakwon-Do ernsthaft ausübt, erlebt wie wichtig Disziplin im Leben ist.“ Für die Ellwangerin Papadopulu ist diese Form von Körperlichkeit eine Philosophie. „Ich bin Griechin und habe deshalb Sokrates und Platon gelesen. Das Teakwon-Do ist die schlüssige Konsequenz aus ihren Erkenntnissen.“
Wichtig ist für die Teakwon-Do-Meisterin dabei der Verzicht der Jugendlichen auch Alkohol, Nikotin und anderen Drogen. „Seit Jahren feiern wir im Verein Feste ohne Drogen. Das geht genauso und erhöht den Respekt vor dem anderen, da die volle Konzentration auf den Umgang mit seinen Mitmenschen gelegt wird.“