Sicherheitstraining hilft Kindern sich zu behaupten

Von unserem Mitarbeiter  Josef Schneider, Schwäbische Post vom 29.01.2002

Kind an der Straße.

ELLWANGEN - „Meine Mama möchte nicht gestört werden. Die schläft. Rufen Sie später nochmals an!“ Schon Mädchen und Jungs im Alter von vier, fünf oder sechs Jahren lernen bei Fotini Papadopulu im „Sicherheitstraining für Kinder“, wie sie sich verhalten sollen, wenn jemand Fremdes am Telefon ist oder an der Haustüre klingelt und sie allein zu Hause sind.

“Seid ihr warm, Kinder?“, ruft Fotini Papadopulu den Kleinen nach Aufwärmtraining und Stretching in der Tennishalle zu: „Dann bauen wir unsere Stationen auf.“ Ein Teil der Jungs und Mädchen begibt sich erwartungsvoll zur Telefonstation. „Es gibt Erwachsene, die möchten unbedingt wissen, ob Mama oder Papa daheim sind“, erklärt Ulrike Liebhäuser. Und sofort ergänzt die Trainerin, dass es am Telefon keinen Fremden etwas angehe, ob die Eltern zu Hause seien oder nicht.

Kinder im Rollenspiel.

Bei der Autostation fordert Daniel Dörrer, einer von zehn Trainern im Verein, den kleinen Lukas heraus:Hallo du, hasch du Luscht, mit mir mitzufahren?“ Die Antwort folgt auf der Stelle: „Ich fahr' nicht mit Fremden mit.“ Da hilft auch eine Einladung zum Eis oder zum interessanten Computerspiel, selbst der Hinweis auf die süßen Hundebabys nichts. „Lass mich in Ruhe, ich geb' Fremden nicht die Hand“, weiß Marius ein eventuelles Hineinzerren ins Fahrzeug zu verhindern. „Und wegrennen, nicht stehen  bleiben!“, empfiehlt Fotini Papadopulu in dieser Situation.

Kind soll ins Auto gelockt werden.

Selbstverständlich werden den Kindern für den Verteidigungsfall auch adäquate Schlagtechniken wie der kräftige Tritt gegen Knie oder Geschlechtsteil beigebracht: „Dann lässt er auf jeden Fall los.“

Das Sicherheitstraining, das es seit eineinhalb Jahren gibt, ist Bestandteil des Trainingplans des Freizeitsportclubs Taekwondo Ellwangen für Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren. Im Rahmen dieses Intensivprojekts, bei dem auch die Eltern mit eingebunden werden, lernen die Kids anhand verschiedener Situationen, sich in Begegnungen mit Erwachsenen zu behaupten. „Wir geben den Eltern Tipps, mit den Kindern Rollen- und Rede- und-Antwort-Spiele zu machen“, unterstreicht Fotini Papadopulu, die Vorsitzende des Freizeitsportclubs.

Abwehrtechniken für Kinder.

Im Taekwondo findet man Kinder aus allen Schulen, auch Kinder, die überaktiv sind und solche, die von der Motorik her Schwierigkeiten haben. Viele kommen von der Ergotherapie. „Wir versuchen, mit den Kindern zu arbeiten und haben viel Erfolg damit“, betont Fotini Papadopulu, die auch als Lehrbeauftragte für Gewaltprävention am Peutinger Gymnasium tätig ist und mit dem Kinderschutzbund zusammenarbeitet: „Es wird nicht nur der Körper, sondern auch der Geist trainiert.“ Und: „Wir gehen auf die einzelnen Probleme der Kinder ein.“ Die Schulung umfasst die Konzentrationsfähigkeit ebenso wie die Wahrnehmung und das eigene Körperbewusstsein.

Kind tritt sich frei.

Eine Mutter, deren Sohn eine angeborene Muskelschwäche und eine Störung in der Grobmotorik hat, erzählt voll Begeisterung, ihr Junge habe „in einem halben Jahr Taekwondo viel stärkere Fortschritte gemacht als in der Krankengymnastik oder in einer sonstigen Therapie - und das noch mit viel Freude.“ Sabine Eberhard, die ihre Kinder Lisa (9), Robin (8) und Lars (5) ins Taekwondo gehen lässt, weiß, dass sie dadurch, lernen, sich besser durchzusetzen und selbstsicherer aufzutreten.“

Rollenspiel.

Auf die Entwicklung von Selbstbewusstsein, den Abbau von Angst, das Erlangen eines guten Körpergefühls und die Behauptung in bestimmten Situationen weist Stefanie Berg hin, die ihre Tochter Christina (11) und ihren Sohn Lennart (6) zum Training begleitet hat. „Ich hab' gelernt, wie man sich verteidigt und wie man ans Telefon geht“, berichtet Lennart. Und Lars weiß, „dass ich nicht die Hand geben soll“, wenn ihn ein fremder Autofahrer anspricht. Denn auf diese Weise könnte der ihn ins Auto zerren.